Denis Sarazhin, At the pinnacle 2019, Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm Denis Sarazhin, At the pinnacle 2019, Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm - Mit freundlicher Genehmigung von: GalerieFuchs

Wer: GalerieFuchs

Was: Ausstellung

Wann: 08.11.2019 - 21.12.2019

Im Zentrum der Arbeiten des ukrainischen Malers Denis Sarazhin (*1982 in Nikopol, Ukraine) steht die menschliche Figur. Mit ihrer Darstellung formuliert Sarazhin unterschiedliche Aussagen über unsere menschlichen Erfahrungen und Empfindungen. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen, Identitätsfragen, die Suche nach sich selbst. Diese privaten und doch universellen Fragen…
Im Zentrum der Arbeiten des ukrainischen Malers Denis Sarazhin (*1982 in Nikopol, Ukraine) steht die menschliche Figur. Mit ihrer Darstellung formuliert Sarazhin unterschiedliche Aussagen über unsere menschlichen Erfahrungen und Empfindungen. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen, Identitätsfragen, die Suche nach sich selbst. Diese privaten und doch universellen Fragen werden dem Betrachter über das kommunikative Potenzial des menschlichen Körpers als Motiv und mit den Möglichkeiten der Malerei vermittelt.

In vielen der aktuellen Arbeiten präsentiert sich dem Betrachter eine faszinierende Selbstbezogenheit der Figuren. Die Gestalten befinden in einem undefinierbaren, zeitlosen Raum, dessen Vagheit den Betrachter dazu einlädt, die Arbeiten aus seiner eigenen Erfahrung heraus zu interpretieren. Ein solch offener Interpretationsraum begegnet uns beispielsweise in der Arbeit "At the pinnacle" (2019): Vor nebulösen, von einer unbekannten Lichtquelle in grelles Orange getauchten Schwaden, schwebt hier eine männliche Figur im Raum. Die ausstellungstitelgebende Schwerkraft scheint außer Kraft gesetzt zu sein. Doch auch, wenn Sarazhins Protagonist hier den physikalischen Kräften der Gravitation trotzt, treibt sein Körper nicht entspannt im leeren Raum, sondern scheint unter Spannung zu stehen. Seine muskulösen Beine sind angewinkelt, der Oberkörper leicht verdreht, die angespannten Arme unnatürlich mit krampfenden Fingern vom Körper weggesteckt. Die Dynamik dieser Pose unterstreicht Sarazhin zudem mit dem gekonnt modellierten Faltenwurf des hellen Hemdes und einer mythischen Lichtgebung, die der Silhouette der Figur eine faszinierende Präsenz und Plastizität verleiht.

Während in dieser Arbeit eher warme Töne vorherrschen und eine durchaus positive, energetische Gesamtstimmung entsteht, bestimmt eine kühlere Farbpalette die Wirkung von Gemälden wie "Out of touch" (2019) oder "Sleeplessness" (2019). Erstere der beiden Arbeiten kann als Meditation über Einsamkeit und Intimität gelesen werden. Die nackte Figur sitzt hier fest auf hellem Untergrund, das Gesicht und der Oberkörper treten im Dunklen zurück. Lediglich die zur Faust geballte rechte Hand und die ausgestreckten Beine des jungen Mannes treten im Vordergrund beleuchtet hervor. Bemerkenswert ist besonders Sarazhins malerischer Umgang mit Haut. Den sehnigen, athletischen Körper präsentiert er dem Betrachter mit Hilfe seines charakteristischen Pinselstrichs, der sich in der Gemäldestruktur stets deutlich ablesen lässt. Der sichtbare Pinselduktus führt dabei jedoch nie zu groben, sondern - trotz der expressiven Farbigkeit - zu beeindruckend realistischen Ergebnissen. Den kühlen Blautönen der Haut setzt Sarazhin an den Knöcheln der Hand ein Violett und an den Zehen seiner Figur ein Rot entgegen und betont mit diesen warmen Farbtönen jene Körperzonen, an denen der Körper seinen intensivsten Kontakt mit der Außenwelt erlebt.

In "Sleeplessness" kollidieren im leeren Raum gleich drei halbnackte Figuren in verkrampften Posen miteinander. Doch auch hier wird nicht die Leichtigkeit des Seins vermittelt, sondern eher eine emotionale Krise. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die drei Figuren als drei Varianten ein und derselben männlichen Figur, dargestellt in unterschiedlichen Bewegungsmomenten. Durch Simultandarstellungen wie diese, verleiht Sarazhin vielen seiner Arbeiten einen zeitlichen Aspekt und visualisiert Gedanken und Emotionen, die sonst nur rein psychisch erlebt werden.

Welche bedeutende Rolle dem menschlichen Körper beim Ausdruck von Gefühlen zukommt, verdeutlicht Sarazhins Serie mit dem Titel "Signs". Hier erkundet der junge Maler das Ausdruckspotenzial unserer Hände und macht subtil auf deren Bedeutung für unsere non-verbale Kommunikation aufmerksam. Wie auch bei seinen Ganzkörperfiguren geht es dem Maler dabei nicht darum, die Hände so korrekt und naturalistisch wie nur möglich darzustellen - obwohl auch hier ein bemerkenswerter Blick auf den anatomischen Details liegt -, sondern um deren emotionalen Ausdruck. So wie sich mit Körper- und Zeichensprache ansonsten schwer Benennbares ausdrücken lässt, so sieht Sarazhin auch in der Malerei eine Ausdrucksform, Gefühle und Emotionen ohne verbale Erklärung zu vermitteln und macht sich genau hierfür in seinen Gemälden die Ausdruckskraft der menschlichen Figur zu Nutze.

Denis Sarazhin wurde 1982 in Nikopol in der Ukraine geboren. 2008 schloss er sein Studium an der Akademie für Kunst und Design in Kharkov ab. Bereits 2006 erhielt er einen Preis für hervorragende Leistungen in der Malerei von der Ukrainian Art Academy. Heute lebt und arbeitet Sarazhin in Kharkov, Ukraine.

Tags: Denis Sarazhin, Körper, Malerei, Menschen

Öffnungszeiten:Dienstag - Freitag, 13 bis 19 UhrSamstag, 11 bis 16 Uhrund nach Vereinbarung
Reinsburgstr. 68A, 70178 StuttgartTelefon: 0711 / 933 424 15Mail: info@galeriefuchs.deWeb: www.galeriefuchs.de

Das könnte Sie auch interessieren
Lesser Ury (1861 – 1931)  Berliner Straßenszene, um 1920. Öl auf Leinwand. Signiert.  70 x 51 cm  Schätzpreis: € 70.000 – € 100.000
Adolf Hölzel (1853 – 1934) „Kinder im Walde“, um 1900. Öl auf Leinwand. Signiert.  50 x 60 cm
Stuttgart, Messe, 07.12.2024 - 08.12.2024
schöne Bescherung 2023 stuttgart (c) blickfang.com
Stuttgart, Ausstellung, 15.11.2024 - 02.03.2025
Abbildung: Vittore Carpaccio, Lesende Jungfrau Maria, ca. 1505, National Gallery of Art Washington, Samuel H. Kress Collection, © Genehmigt durch National Gallery of Art, Washington
Archiv
Stuttgart, Ausstellung, 09.04.2022 - 31.12.2024
Malagan-Skulptur Nusa, Neuirland, Papua-Neuguinea; Anfang 20. Jh. Hersteller*in: unbekannt Holz, Pigmente, Turbo petholatus, pflanzl. Kittmasse Slg. F. W. Eberhardt, 1906; Inv.-Nr. 47131
Stuttgart, Ausstellung, 10.10.2023 - 10.10.2024
Wassily Kandinsky: Improvisation 9, 1910, Creative Commons
Stuttgart, Ausstellung, 28.10.2023 - 09.10.2024
Ausstellungsansicht »Otto Herbert Hajek«, 2023 © VG Bild-Kunst, Bonn 2023, Foto: Gerald Ulmann
Stuttgart, Ausstellung, 19.07.2024 - 29.09.2024
Klaus Staeck, Zurück zur Natur, 1985, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, erworben 1986 Land Baden-Württemberg © VG Bild-Kunst, Bonn 2024
Stuttgart, Ausstellung, 07.10.2023 - 22.09.2024
Simone Eisele, Shrek forever after, 2021 Installationsansicht: Kunstmuseum Stuttgart, 2023, © Simone Eisele / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart
Stuttgart, Ausstellung, 20.07.2024 - 08.09.2024
Sabine Bungert & Stefan Dolfen, Bild aus der Serie »Kudzu«, 2019 © Sabine Bungert & Stefan Dolfen
Experten- und Schätztage in Ihrer Nähe
CARTIER Tank Paris "Jaeger-LeCoultre", seltene Damenuhr. Service 2024. Startpreis (inkl. Aufgeld): 8.000 EUR Schätzpreis: 8.000 EUR - 14.000 EUR
Historismus Anhänger mit Diamantrosen und Orientperle, Startpreis (inkl. Aufgeld): 340 EUR Schätzpreis: 340 EUR - 400 EUR
Extrem seltene Kommode mit Chinoiserie-Lackpaneelen und feuervergoldeten Bronzebeschlägen,  Frankreich, Louis XV, um 1765, gestempelt F.J.Leleu und J.M.E.
Stuttgart, Ausstellung, 23.03.2024 - 23.06.2024
Marc Botschen Die Richtigkeit s7_13 Aus der Serie: Soft Pass 2023 © Marc Botschen