Leonard & Louise Riggio: Collected Works – Christie’s New York Auktion im MaiWerke führender Persönlichkeiten der Moderne und Nachkriegszeit treten in dieser umfassenden und persönlichen Sammlung in einen facettenreichen Dialog über Kunstströmungen und Medien. Leonard & Louise Riggio: Collected Works wird als Single Owner Evening Sale im Rahmen der 20th and 21st Century Art-Auktionsreihe im Mai bei Christie’s New York präsentiert.
Für Leonard „Len“ und Louise Riggio spiegelte das Sammeln ihre lebenslange Neugier auf die Welt wider. Len, der als Gründer von Barnes & Noble aus einem einzigen Buchladen das weltweit größte Buchhandelsunternehmen formte, war von einem unermüdlichen Wissensdurst, Entdeckergeist und Freude an Kunst getrieben. Diese Entdeckungslust prägte die Sammlung, die er gemeinsam mit seiner Frau Louise aufbaute. Als enge Partner in allen Lebensbereichen – von Wirtschaft über Philanthropie bis hin zur Kunst – prägte das Paar die New Yorker Kunstszene des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts maßgeblich.
Louise Riggio beschreibt ihre Leidenschaft für Kunst mit den Worten:
„When Len and I bought a piece of art, we felt as if we were inviting that work into our home to live with us, to become part of our family. We always talked about the dialogue each of the pieces had with each other, which inspired and complemented their placement.“
Die Sammelleidenschaft begann in den 1990er-Jahren, als Len erstmals Richard Serras Torqued Ellipses in der Dia Chelsea sah. Dieses Erlebnis führte zu seinem Engagement für Dia Beacon. Während Len eine Vorliebe für zeitgenössische Werke entwickelte, bevorzugte Louise eher historische Kunst – doch trotz unterschiedlicher Geschmäcker ergab sich eine harmonische Verbindung. Über 30 Jahre hinweg schufen sie eine der bedeutendsten Sammlungen des 20. Jahrhunderts.
Ihre Sammlung war nicht nur eine Freude am ästhetischen Erleben, sondern bot auch die Möglichkeit, sich mit Künstlern auseinanderzusetzen, die tiefgreifende Fragen über Kunst und das Leben stellten. In ihrem eleganten New Yorker Apartment standen Werke bedeutender Moderne- und Postmoderne-Künstler Seite an Seite und eröffneten einen einzigartigen Dialog zwischen verschiedenen Epochen, Medien und künstlerischen Strömungen.
Eine neue Bildsprache
Viele Künstler entwickelten im 20. Jahrhundert innovative Formen der Abstraktion, um eine universelle visuelle Sprache für das moderne Zeitalter zu schaffen. Einer der bedeutendsten Vertreter war Piet Mondrian, dessen revolutionärer Neoplastizismus eine ideale Kunst auf Basis reiner malerischer Elemente – Farbe, Linie und Form – anstrebte.
Sein 1922 entstandenes Gemälde „Composition With Large Red Plane, Bluish Gray, Yellow, Black and Blue“ verkörpert die Klarheit, Eleganz und Strenge seines reifen Stils. Durch das dynamische Wechselspiel von Linien, Flächen und Farben zeigt dieses Werk eindrucksvoll die Lebendigkeit von Mondrians reduzierter Bildsprache.
„The task today, then, is to create a direct expression of beauty—clear and as far as possible ‘universal’“ – Piet Mondrian
Jenseits des Bewusstseins
Die Suche nach einer tieferen Wahrheit manifestierte sich bei den Dadaisten, Surrealisten und Abstrakten Expressionisten, die Kunst als Ausdruck des Unterbewusstseins betrachteten. Sie integrierten Traumbilder, Halluzinationen und Impulse aus dem Unbewussten in ihre Werke.
Der berühmte Surrealist René Magritte sagte dazu:
„I showed objects situated where we never find them. They represented the realization of the real, if unconscious, desire existing in most people.“
Dieses Konzept zeigt sich in Magrittes berühmter „L’empire des lumières“-Serie, in der Tag und Nacht in einem einzigen Moment verschmelzen, oder in „Les droits de l’homme“, wo unerwartete Objektkombinationen eine rätselhafte Szenerie erzeugen.
Auch Pablo Picasso ließ sich vom Surrealismus inspirieren. Während seines Aufenthalts 1937 in Mougins verbrachte er Zeit mit surrealistischen Künstlern und schuf dort sein Porträt „Femme à la coiffe d’Arlésienne II“ – eine Darstellung der Fotografin Lee Miller. Trotz der abstrakten Formgebung bleibt ihre Schönheit spürbar. Picasso erfasste nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch die Essenz seiner Modelle.
Das fortwährende Ideal
Trotz der zahlreichen Innovationen der Moderne und Nachkriegszeit blieb der Einfluss des Klassizismus ein beständiges Element. Dies zeigt sich deutlich in Andy Warhols „The Last Supper“ (1986).
Dieses Werk – eines von Warhols bedeutendsten Spätwerken – greift Leonardo da Vincis berühmtes Gemälde auf und reflektiert gleichzeitig Warhols eigene künstlerische Entwicklung.
„They always say that time changes things, but you actually have to change them yourself.“ – Andy Warhol
Wie bereits in seinen früheren Porträts berühmter Persönlichkeiten nahm Warhol ein ikonisches Bild als Ausgangspunkt und rekonstruierte es in seinem charakteristischen Siebdruckstil. Die Dekonstruktion und Neuinterpretation von da Vincis Meisterwerk unterstreicht Warhols eigenen Platz im Kunstkanon.
Auch Balthus orientierte sich an der Renaissance. Für ihn war die Klarheit von Giotto, Masaccio und Poussin ein Vorbild.
„If we could return to Giotto’s deliberation, Masaccio’s exactitude, and Poussin’s precision! Real modernity is in the reinvention of the past, in refound originality based on experience and discoveries.“ – Balthus
Sein Werk „Jeune fille en vert et rouge (Le chandelier)“ aus den Jahren 1944–1945 spiegelt diesen Ansatz wider. Die strenge Komposition und der klassische Stil verdeutlichen seine lebenslange Auseinandersetzung mit den Alten Meistern.
Das existentielle Selbst
Während viele Künstler äußere Einflüsse verarbeiteten, richteten andere ihren Blick nach innen, um Fragen zur menschlichen Existenz zu erforschen.
Mark Rothkos „Untitled“ (1968) zeigt zwei dunkle rechteckige Farbflächen auf einem leuchtenden, bernsteinfarbenen Grund. Die scheinbar schlichte Komposition entfaltet bei intensiver Betrachtung eine tiefe emotionale Wirkung.
„A painting is not a picture of an experience; it is an experience.“ – Mark Rothko
Auch Alberto Giacometti beschäftigte sich mit dem menschlichen Dasein. In seinen berühmten „Femmes de Venise“ thematisierte er die Wahrnehmung von Präsenz und Raum. Diese Serie aus neun bronzenen Frauenfiguren verdeutlicht Giacomettis fortlaufenden künstlerischen Entwicklungsprozess. Die Figuren verändern sich – sie wachsen, schrumpfen, verflachen und runden sich, reflektieren seinen Blick auf den kreativen Akt.
Neben diesen Meisterwerken umfasst die Auktion bedeutende Werke von Arshile Gorky, wegweisende Skulpturen von Barbara Hepworth sowie Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Kerry James Marshall und Glenn Ligon. Die Sammlung ist geprägt von einem reichen Dialog zwischen Künstlern, Stilen und Epochen, der die universelle Kraft der Kunst eindrucksvoll unterstreicht.