Neun der insgesamt vierzig Meter dieses Objektes werden nun im Bassano-Saal des Kunsthistorischen Museums aufgerollt präsentiert. Sie beleuchten speziell jene Abschnitte im Leben von Herwig Zens, die ihn mit dem Museum verbinden.
»Das erfühlbar Wesentliche«In seinem künstlerischen Schaffen setzte sich Herwig Zens, 1943 im niederösterreichischen Himberg geboren, stets mit dem Existentiellen auseinander und wie es sich in der bildenden Kunst, in der Literatur und in der Musik manifestiert. Besonders zu den Werken von Velázquez, Cervantes und Schubert fühlte sich der Künstler hingezogen. In den Mittelpunkt seiner Diplomarbeit an der Akademie der bildenden Künste in Wien (1965) stellte er Goyas Pinturas negras, die ihn sein Leben lang begleiten sollten.
Nach Erfahrung mit der Vergänglichkeit des eigenen Lebens begann Zens 1977 ein Tagebuch der besonderen Art. Eher zufällig fiel ihm in seinem Atelier ein Kupferstreifen im Format 40 × 5 cm in die Hand, in den er Notizen vom Tag kratzte. Dieses Festhalten von bedeutenden Erlebnissen in Strichätzung, Aquatinta und anderen Techniken setzte er bis zu seinem Lebensende fast täglich fort, selbst dann, wenn er für sonstige Tätigkeiten keine Zeit fand.
Auf diese Weise kamen über 850 Kupferplatten zustande, die Zeitgeschichte in kurzen Texten und kleinen Zeichnungen darstellen. Durchschnittlich radierte Herwig Zens 16,8 Streifen pro Jahr, manchmal lediglich den Datumseintrag, mit zunehmender Dauer des Tagebuchs wurden die Tage ohne jegliche Eintragung immer seltener. Manche Namen von Wegbegleiter*innen und Orten, an die er mit seiner Frau Gerda, Freund*innen und Studierenden reiste, kommen regelmäßig vor. Das Werk legt Zeugnis über sein rastloses Leben ab, seinen oft beschwerlichen Arbeitsalltag als Lehrender an Wiener Gymnasien und als Professor an der Akademie der bildenden Künste sowie seiner Obsessionen als Künstler.
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